Wir sind das grösste wissenschaftliche Netzwerk der Schweiz und beraten Politik und Gesellschaft in wissensbasierten und gesellschaftsrelevanten Fragen. Über uns

News

Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW

Wann werden automatisierte Fahrzeuge verfügbar sein?

Automatisiertes Fahren bezieht sich nicht nur auf vollautomatisierte Fahrzeuge, sondern schliesst auch alle Zwischenstufen der Entwicklung dahin ein. Diese Entwicklung wird durch das Stufenmodell der SAE beschrieben. Noch ist unklar, wann vollautomatisierte Fahrzeuge verfügbar sein werden. Klar ist jedoch, dass der Prozess massgeblich von technischen und politischen Rahmenbedingungen abhängt. Die Stufen der Automatisierung von Fahrzeugen Um die Entwicklung von nichtautomatisierten Fahrzeugen hin zu vollständig selbstfahrenden Fahrzeugen fassbar zu machen, hat die amerikanische Society of Automotive Engineers (SAE) ein Stufenmodell entwickelt, das verschiedene Automatisierungsstufen unterscheidet. Diese Einteilung hat sich weltweit etabliert und wird verwendet, um präziser zu bezeichnen, was jeweils unter automatisierten Fahrzeugen verstanden wird. SAE-Stufe 0 bedeutet keine Automatisierung. Der Mensch hat die volle Kontrolle über das Fahrzeug und steuert es in jedem Moment selbst ohne Unterstützung durch Assistenzsysteme. Fahrzeuge der SAE-Stufe 1 sind mit einfachen Assistenzsystemen ausgestattet, etwa mit Tempomat, mit Antiblockier-Bremssystemen oder mit Funktionen zur Stabilitätskontrolle; solche Systeme sind bereits heute in vielen Fahrzeugen enthalten. Den Tempomat, eine Anlage zum Halten der Geschwindigkeit, gibt es bereits seit den 60er-Jahren. SAE-Stufe 2 beschreibt eine Teilautomatisierung. Diese beinhaltet meist fortgeschrittene Assistenzsysteme zur Notbremsung oder zur Kollisionsvermeidung. Das Fahrzeug wird dabei jederzeit durch den Mensch kontrolliert, selbst wenn dieser wiederum von Systemen unterstützt wird. In aktuellen Fahrzeugen werden solche Assistenzsysteme schon seit geraumer Zeit eingesetzt und sollen für Neuwagen bald Pflicht werden. Fahrzeuge der SAE-Stufe 3 sind in der Lage, in spezifizierten Betriebsbereichen wie z. B. auf Autobahnen und bei günstigen Wetterbedingungen die Fahraufgabe umfassend und dauerhaft zu übernehmen, ohne dass die Person hinter dem Steuer die Fahrt überwachen muss. Erreicht das System seine Grenzen, etwa weil es die spezifizierten Betriebsbereiche verlässt, sich die Wetterbedingungen ändern oder aufgrund anderer Vorkommnisse, muss der Mensch die Fahraufgabe sofort übernehmen, nachdem er vom Fahrzeug dazu aufgefordert wurde. Fahrzeuge der SAE-Stufe 4 können in spezifizierten Bereichen unter restriktiven Betriebsbedingungen automatisiert fahren, wenn die entsprechende Infrastruktur wie Fahrspurmarkierungen und detaillierte Karten vorhanden ist. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, beendet das Fahrzeug die Fahrt, indem es automatisch abbremst und einparkt oder sich in einen anderen Zustand minimalen Risikos bringt. Solche Fahrzeuge werden als hochautomatisiert bezeichnet. Fahrzeuge der SAE-Stufe 5 werden als vollautomatisiert bezeichnet und sind in der Lage, selbständig zu fahren – unabhängig von Strassenbeschaffenheit, Situation und Wetter. Lenkrad und Pedale werden, gemäss heutigen Designstudien, nicht einmal mehr angeboten. Die wirklichen Herausforderungen in der Entwicklung von Hard- und Software für das automatisierte Fahren betreffen die SAE-Stufen 3 bis 5. Kriterien für die Marktdurchdringung Gegenwärtige Autos verfügen zum Teil über hochkarätige Assistenzsysteme und können schon vieles. Hersteller sprechen von teilautomatisierten Systemen der SAE-Stufe 2,5 oder 2+. Automobilhersteller kündigen aufgrund des Marketingeffekts solcher Meldungen oft verfrüht Fahrzeuge mit höherem Automatisierungsgrad an. Sie meinen damit meist die Verfügbarkeit erster Fahrzeuge und nicht die Serienreife ganzer Flotten. Dass hochautomatisierte und vollautomatisierte Fahrzeuge der SAE-Stufe 5 dereinst Realität werden, wird heute kaum noch angezweifelt. Umso mehr stellen sich Fragen zu deren Einführung. Viele Studien und Institutionen haben sich mit möglichen Einführungsschritten für Personen- und Gütertransportfahrzeuge auseinandergesetzt und versuchen einzuschätzen, wie schnell automatisierte Fahrzeuge den Markt durchdringen können. Ein differenziertes Bild ist nur möglich, wenn die Szenarien nach Automatisierungsstufen und Einsatzbereichen aufgeschlüsselt werden. Gleichzeitig muss zwischen der Verfügbarkeit von ersten Fahrzeugen und der kommerziellen Flottenreife unterschieden werden, denn dazwischen liegen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Selbst wenn die Verfügbarkeit automatisierter Fahrzeuge bald gewährleistet sein sollte, spricht einiges gegen eine schnelle Marktdurchdringung. Die Mehrkosten sind beispielsweise noch schwer abschätzbar. Im Fall einer Ausstattung mit hochzuverlässiger Sensorik könnten diese jedoch erheblich sein und schätzungsweise zehn- bis zwanzigtausend Schweizer Franken je Auto betragen. Derzeit liegen die Kosten für die Sensorik allein im Bereich eines Klein- bis Mittelklassewagens. Da viele der Vorteile erst bei einem hohen Anteil autonomer Fahrzeuge zur Geltung kommen, sind förderliche Massnahmen und Rahmenbedingungen zu deren zügiger Einführung notwendig. Eine mögliche Massnahme zur zeitlichen Verkürzung der Koexistenz von Fahrzeugen unterschiedlicher Automatisierungsstufen könnte sein, dass Anreize für kollektiv statt individuell genutzte autonome Personenfahrzeuge geschaffen werden. Zur Publikation Im Frühling erschien die SATW-Publikation «Autonomes Fahren. Ein Treiber zukünftiger Mobilität». Unter Expertinnen und Experten gelten automatisierte Fahrzeuge als Krönung der Digitalisierung, dies insbesondere aufgrund ihrer technischen Komplexität. Autonome Fahrzeuge interessieren die Öffentlichkeit aber nicht nur deswegen, sondern auch weil Mobilität eine grundlegende Bedeutung für die moderne Gesellschaft hat und damit jede:n betrifft. Die Publikation schafft eine Verbindung zwischen allgemeinem Überblick mit Antworten auf die wichtigsten Fragen zu automatisierten Fahrzeugen und vertiefenden Einzelbeiträgen. Diese Serie von Blogbeiträgen greift verschiedene Themen, die die generische Einführung der Publikation wiedergeben, auf.
  • Swiss Platform Ageing Society

    Blog

    Wohnen im Alter: Was macht ein altersfreundliches Umfeld aus?

    Was braucht es alles für ein altersfreundliches Wohnumfeld? Wo steht die Schweiz diesbezüglich – und wo besteht noch Handlungsbedarf?

     

    Die von den Vereinten Nationen ausgerufene «Decade of Healthy Ageing (2021–2030)» versteht gesundes Altern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie fordert, das Thema Alter in allen Politikbereichen zu verankern und die aktive Teilhabe älterer Menschen zu stärken. Basierend darauf wurden vier zentrale Handlungsfelder definiert. Das zweite dieser Handlungsfelder lautet: «ein altersfreundliches Umfeld» schaffen.

     

    Im Gespräch erläutert Alexander Seifert von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), welche Herausforderungen und Chancen sich in Bereich altersfreundliches Wohnen zeigen und welche Ansätze es braucht, um Wohnumfelder in der Schweiz zukunftsfähig zu gestalten.

    Interview I Celia Eugster, Romaine Farquet 

  • Junge Akademie Schweiz JAS

    News

    Neuer Workshop zu Lehrmitteln zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Partnern

    Die Junge Akademie lädt gemeinsam mit dem td-net Dozierende und Lehrende zum Workshop «Lehrmittel zur Föderung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und gesellschaftlichen Partnern» am 23. Juni 2026 im PROGR in Bern ein. Im Fokus stehen innovative Lehransätze an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft. Der halbtägige Workshop (09:15–13:00 Uhr) kombiniert einen interaktiven Marktplatz für Lehrmittel und -formate mit thematischen Gruppendiskussionen zu Herausforderungen, Chancen und transdisziplinären Methoden. Anmeldeschluss ist der 5. Juni 2026.

  • Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW

    News

    «Ethik darf kein nachträglicher Einfall sein»: Ein Gespräch mit der KI-Ethikerin Ning Wang

    Der Technology Outlook stellt Apertus als Beispiel für transparente, konforme KI vor und untersucht, was seine Entwicklung über die Position der Schweiz in der globalen KI-Landschaft aussagt. Um die tieferen ethischen, gesellschaftlichen und politischen Implikationen grosser Sprachmodelle (LLMs) zu erörtern, sprachen wir mit Dr. Ning Wang, Ethikerin und Politikwissenschaftlerin an der Universität Zürich. Ihre Forschung konzentriert sich auf die verantwortungsvolle Entwicklung und nachhaltige Steuerung neuer Technologien.
mehr

Kontakt

Akademien der Wissenschaften Schweiz

Haus der Akademien
Laupenstrasse 7
Postfach
3001 Bern

Bleiben Sie auf dem Laufenden!