Wir sind das grösste wissenschaftliche Netzwerk der Schweiz und beraten Politik und Gesellschaft in wissensbasierten und gesellschaftsrelevanten Fragen. Über uns

News

Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW

VII. In dem Lia höchst unordentliche Ereignisse ordnend berichtet

Vorfallsbericht zur Überprüfung und Beurteilung durch den Quartierrat Neulikon Datum: 31. Mai 2040 Berichterstatterli: Lia Hiroaki Vorfallsbeschrieb: Am 25. Mai 2040, abends, meldete mir Stigma ein Digital-Twin-Problem im QPZ Neulikon. Laut Log konnte der Greifarm nur in 16 Prozent der Produktionsabläufe die neuen Kugellager von Station 65c auf Station 65d überführen. In 84 Prozent der Abläufe, so Stigma, würden die Kugellager auf den Hallenboden fallen. Wie ganz Neulikon weiss und sich olfaktorisch überzeugen kann, wurden die Kugellager jedoch produziert und ausgeliefert, ohne dass auch nur ein einziges von ihnen auf dem QPZ-Boden liegen blieb. Nach Rücksprache mit unserem materiellen Zwillings-QPZ in Baldstetten und dem detaillierten Vergleich der Prüfsummen in den Distributed Ledgers von Kugellagern aus beiden Zwillings-Betrieben war ich mir sicher, auf eine heisse Spur gestossen zu sein: Die Prüfsummen dokumentierten unregelmässig lange Leerläufe zwischen der fehleranfälligen Transaktion und der nachfolgenden Transaktion des Produktionsablaufs. Solche Leerläufe sind typischerweise bei hoher Energielast im Smart Grid vorgesehen und werden deshalb nicht im Fehlerlog protokolliert. In diesem Fall war das Timing der Pausen jedoch nicht mit der Grundlast im Energienetz korreliert. Ausgehend von dieser Information folgte ich meiner Intuition und entschied, den Produktionsprozess in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai persönlich zu überwachen. Um die Faber-KI durch meine Beobachtung nicht zu stören, nahm ich die Beobachtung vollständig offline vor. Tatsächlich hörte ich bald ein lautes «Klonk», als ein Kugellager – wie aus Stigmas Zwillingsvorhersage bekannt – aus den Greifern fiel. Doch statt weiterzuarbeiten und den Fehler zu übersehen, setzte das analoge QPZ einen Pull-Alarm ab, wie ich an der Sirene erkennen konnte. Vom ungewöhnlichen Vorgang überrascht, versteckte ich mich hinter einem Aufbereitungscontainer, der nach frisch rezyklierten Werkstoffen roch, und wartete. Gegen 23.32 Uhr konnte ich ein Supplement sehen, im Quartiersmund Helferli genannt, einen aufgelösten Mann von 63 Jahren mit einem beseelten Lächeln auf dem Gesicht. Er trat zur Maschine heran und legte die Hand, ich will fast sagen: tröstend, auf den Greifarm, ein eigenartiger Vorgang, wie ich fand, doch die Maschine zuckte dabei nicht zusammen und schaltete ab, wie es aus Sicherheitsgründen das Protokoll vorsieht, sondern drehte die Handfläche nach oben, in die das Helferli seine Finger für einen Moment hineinlegte und scheu wieder zurückzog. Es lachte, und die Maschine blinkte ungewöhnlich. Ich beobachtete das Geschehen und trat erst heraus, nachdem das Helferli unter die Maschine geschlüpft und nach zehn Minuten mit dem Kugellager hervorgekrochen kam. Als ich mich als Stigma engineer zu erkennen gab, schien es in Panik zu verfallen: «Nein, nein, bitte schicken Sie mich nicht weg! Ich werde hier gebraucht – und ich brauche ––» mit diesen Worten klammerte er sich an den Greifarm und brach in Tränen aus. Aufmunternd schmiegte sich eine Drohne an seine Schulter, während die Maschinen fiepsten und wimmerten. Ich versuchte, die beiden voneinander zu trennen, weil ich befürchtete, er könnte die Maschine beschädigen. Bevor ich den Mentalalarm betätigen konnte, zeichnete der Greifarm mit seinen Laserdioden Schriftzeichen in den Container: «WALTER – DU – BIST – DIE – EINZIGE – LOSGRÖSSE – FÜR – MICH. » Das Team, das die Aufsicht über das QPZ hatte, bestand typischerweise aus Programmierlis und Psychologlis, die sich um die beiden kümmerten. Sie beruhigten sie mit einer regelmässigen Hashrate , die die aufgeregte Maschine wieder ausgeglichen ins Smart Grid zurückgleiten liess; und mit kurzen Passagen von Max Frisch, die sie dem Helferli vorlasen. Zusammenfassend kann ich feststellen, dass sich das QPZ – unabhängig vom Stigma, ihrem Digital-Twin, – selbständig dazu entschlossen hatte, Hilfe zu holen. Jede Nacht und ohne bleibende Schäden in der Produktionskette zu hinterlassen. Diese recht altmodische Angewohnheit hatte das QPZ Neulikon von sich aus evaluiert und zur idealen Möglichkeit erkoren, die Robotik nicht als Antipodin zur menschlichen Arbeit, sondern als ein gemeinsames und auf gegenseitiger Unterstützung basierendes Projekt in die Tätigkeit der Menschen einzubetten. Kurz gesagt: Das QPZ hatte die Menschen gebraucht, weil es sie rührt, gebraucht zu werden.
  • Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW

    News

    «Können wir noch vom Weltraum träumen?» – Galactic Chloé über die Bedeutung des Alls und darüber, wer dort das Sagen hat

    2019 war Chloé Carrière Mitbegründerin von Asclepios, Europas erster analoger Weltraummission unter der Leitung von Studierenden. Die erste Crew begab sich im Juli 2021 in Isolation. Im Juli 2025 verbrachte die fünfte Auflage 16 Tage unterirdisch in der Festung Sasso San Gottardo im Tessin – eine Mission, die die Luft- und Raumfahrtingenieurin nun als Mentorin begleitet. Als «Galactic Chloé» erreicht sie heute mit Weltraumthemen in den sozialen Medien, in ihrer eigenen Radiosendung und durch Dokumentarfilme ein breites Publikum. In einem Interview mit der SATW erklärt sie, was Studierende bei einer simulierten Mondmission lernen, warum sie der Meinung ist, dass die Schweizer Bevölkerung bei der Weltraumpolitik mitreden sollte, warum sie ihren eigenen Traum vom Mondspaziergang neu definieren musste und wie man die junge Schweizer Weltraumindustrie im Land halten kann.
  • Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW

    News

    Hinter den Normen: mein Werdegang als Sekretär des CEN-CENELEC JTC 21

    Die künstliche Intelligenz schreitet in ganz Europa rasch voran. Die meiste Aufmerksamkeit gilt dabei neuen Anwendungen, regulatorischen Vorgaben und technologischen Durchbrüchen. Kaum sichtbar ist dagegen die Arbeit an den Normen, die festlegen, wie viele dieser Vorgaben in der Praxis umgesetzt werden.
  • Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW

    News

    Hitzesommer und Schweizer Energieversorgung

    Der Sommer 2026 war gemäss MeteoSchweiz der heisseste seit Messbeginn 1864. Gleichzeitig fielen bereits im Winter und Frühjahr sehr wenig Niederschläge, was zu einer extremen Trockenheit führte. Das stabile Hochdruckwetter bescherte der Schweiz auch eine Sonnenscheindauer deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Diese Wetterextreme haben weitreichende Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt und spezifisch auf die Energieversorgung. Christian Schaffner, Geschäftsführer des Energy Science Center der ETH Zürich, ordnet für die SATW ein.
mehr

Kontakt

Akademien der Wissenschaften Schweiz

Haus der Akademien
Laupenstrasse 7
Postfach
3001 Bern

Bleiben Sie auf dem Laufenden!