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Medienmitteilung

Akademien der Wissenschaften Schweiz a+

MINT in der Schweiz: Wo stehen wir heute wirklich?

Zwölf Jahre nach dem ersten MINT-Nachwuchsbarometer Schweiz zeigt die neue Ausgabe 2026: Das Interesse junger Menschen an MINT-Fächern und -Berufen ist weitgehend unverändert geblieben. Geschlechtsstereotype prägen nach wie vor, wie MINT-Kompetenzen wahrgenommen und bewertet werden – auch in der Selbstwahrnehmung. Dies zeigt der heute von den Akademien der Wissenschaften Schweiz a+ und der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW veröffentlichte Bericht. Die Autorinnen der Pädagogischen Hochschule FHNW kommen zum Schluss: Einzelmassnahmen greifen zu kurz. Es braucht eine konsequentere, flächendeckende Umsetzung.

Konkrete Kontexte steigern das Interesse an MINT

Das erste MINT-Nachwuchsbarometer Schweiz von 2014 hatte gezeigt, dass Jugendliche MINT-Themen zwar interessant finden, aber trotzdem selten einen entsprechenden Beruf wählen. Zwölf Jahre später ist die Bilanz ernüchternd:

  • Generelles Interesse an MINT: Mittelwert von 5,8 (auf einer Skala von 1 bis 10)

  • Unterschied zwischen Geschlechtern: Männer 6,2 vs. Frauen 5,5

  • Nach MINT-Schwerpunkt: Personen mit MINT-Schwerpunkt 7,3 vs. ohne 4,9

Auch die Beliebtheit der MINT-Schulfächer hat sich kaum verändert: Mathematik und Informatik zählen nach wie vor zu den unbeliebtesten Fächern – insbesondere bei Schülerinnen.

Gleichzeitig lässt sich die Stabilität auch positiv lesen: Das Interesse an MINT ist trotz veränderter gesellschaftlicher Herausforderungen nicht grundsätzlich erodiert. Sobald MINT-Inhalte in konkrete Kontexte eingebettet werden, wie etwa in medizinische Anwendungen, Umweltschutz oder neue Technologien, steigt das Interesse bei allen Geschlechtern deutlich an.

Stereotype hartnäckiger als erwartet

  • Ca. 50% der Befragten ist der Ansicht, dass Frauen weniger gut über Informatik oder Technik Bescheid wissen als Männer

  • Jede dritte Person glaubt, dass Frauen bei gleichen MINT-Kompetenzen schlechtere Chancen haben, eine entsprechende Stelle zu erhalten

  • Diese Einschätzung teilen doppelt so viele Frauen wie Männer

Frauen schätzen zudem ihre eigenen Kompetenzen in Mathematik, Informatik und Technik tiefer ein als Männer, wobei der Unterschied bei der Technik am grössten ist. In den Naturwissenschaften hingegen liegen die Selbsteinschätzungen nahe beieinander.

Bemerkenswert: In den Dimensionen des Problemlösens mit den Fokussen analytisch-selbstständig und kreativ-kommunikativ schätzen sich Frauen im Mittel sogar leicht kompetenter ein als Männer. Diese Differenzierung geht bei einer Beurteilung rein über die MINT-Disziplinen verloren.


«Das Selbstbild junger Frauen im MINT-Bereich hat sich trotz vieler Initiativen kaum verbessert. Die Daten zeigen aber auch, dass eine Einschätzung rein über die einzelnen Disziplinen zu kurz greift: Beispielsweise trauen sich Frauen beim Problemlösen durchaus viel zu – im Mittel sogar etwas mehr als die Männer. Das könnte stärker genutzt werden.»

– Susanne Metzger, Professorin für Naturwissenschaftsdidaktik an der PH FHNW und Leiterin der Studie


MINT wird zu akademisch wahrgenommen

Eines der überraschendsten Ergebnisse ist, dass die Befragten handwerkliches Geschick bei weitem am wenigsten mit MINT-Kompetenzen assoziieren. MINT wird stark akademisch wahrgenommen, obwohl Personen mit MINT-Schwerpunkt ihre Tätigkeit deutlich praktischer beschreiben als jene ohne.

Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass ein erheblicher Teil der MINT-Berufsrealität in der öffentlichen Wahrnehmung fehlt. Denn Berufsbildung, Handwerk, technische Präzision und praktisches Problemlösen gehören ebenso zu MINT wie Forschung und Innovation.


«Wenn MINT nur als akademische Disziplin wahrgenommen wird, verlieren wir genau jene Jugendlichen, die sich über praktisches Können und Gestalten identifizieren. Die Vielfalt der MINT-Berufe muss sichtbarer werden – vom Laboranten bis zur Ingenieurin, von der Elektronikerin bis zum Mechaniker.»

– Edith Schnapper, Leiterin Nachwuchsförderung bei der SATW


Lehrpersonen und Eltern als Schlüsselfiguren

Eltern – allen voran Mütter – sind nach wie vor die wichtigsten Einflusspersonen bei der Berufs- und Studienwahl. Dies wurde auch im MINT-Stimmungsbarometer 2025 der ETH Zürich bestätigt. Zudem hatte sich schon 2014 gezeigt, dass männliche Verwandte als Technik-Vorbilder dominierten.

Frauen und Männer geben zwar an, von ihren Familien in ihrem MINT-Interesse gleich gut gefördert worden zu sein. Ob das für alle MINT-Bereiche gleichermassen gilt, bleibt jedoch offen.

Lehrpersonen spielen ebenfalls eine zentrale Rolle: Wertschätzendes und unterstützendes Unterrichtsverhalten fördert das MINT-Interesse und trägt dazu bei, dass Schüler:innen sich eine MINT-Laufbahn eher vorstellen können.

Dabei zeigen sich Unterschiede in der Wahrnehmung: Schüler fühlen sich in den MINT-Fächern von ihren Lehrpersonen stärker unterschätzt und ignoriert als Schülerinnen. Da Schülerinnen ihre MINT-Kompetenzen aber generell tiefer einschätzen, fühlen sie sich möglicherweise auch nicht so leicht unterschätzt.

Informatik und Technik bleiben blinde Flecken

Besonders ausgeprägt sind die Geschlechterunterschiede in Informatik und Technik:

  • Informatik ist bei Schülerinnen auf beiden Sekundarstufen das unbeliebteste Schulfach

  • Laut Nahtstellenbarometer (2025) findet sich in der Berufswahl kein einziger MINT-Beruf unter den Top Five der Schülerinnen

  • Bei Schülern hingegen stehen Polymechaniker, Informatiker und Elektroinstallateur auf den vorderen Plätzen

Positiv zu vermerken: MINT-Berufe insgesamt weisen eine hohe Bindungskraft auf: Von den Befragten wechseln mehr Menschen in den Bereich als aus ihm heraus, und die Mehrheit der Erwerbstätigen würde sich erneut für denselben Beruf entscheiden – insbesondere Personen mit MINT-Schwerpunkt.

Empfehlungen: bekannt, aber nicht ausreichend umgesetzt

Der Bericht empfiehlt unter anderem:

  • MINT in seiner ganzen Vielfalt darstellen, einschliesslich Berufsbildung und Handwerk

  • Das Selbstkonzept von Kindern und Jugendlichen gezielt stärken

  • Lehrpersonen für genderreflektiertes Unterrichten ausbilden

  • Die Berufswahl durch vielfältige, authentische MINT-Berufsgeschichten unterstützen

  • MINT-Kompetenzen als Beitrag zu den Grundkompetenzen stärken – auch im Hinblick auf den kompetenten Umgang mit künstlicher Intelligenz und neuen Technologien


«Die MINT-Nachwuchsförderung hat in den letzten Jahren viel bewirkt. Wir lernen aber aus den Daten, dass wir an zentralen Stellschrauben konsequenter drehen müssen. Es braucht ein koordiniertes Vorgehen über alle Bildungsstufen hinweg und den Einbezug aller relevanten Akteure.»

– Dr. Marianne Bonvin, Geschäftsführerin der Akademien der Wissenschaften Schweiz


Hintergrund zur Studie

Das MINT-Nachwuchsbarometer Schweiz 2026 wurde im Auftrag der Akademien der Wissenschaften Schweiz von Susanne Metzger und Laura Villardita (Pädagogische Hochschule FHNW) erstellt und unter dem Lead der SATW im Rahmen des MINT-Mandats durchgeführt.

Erhebungszeitraum: Juni bis Dezember 2025

Befragte Personen: 5'118 Personen

  • Schüler:innen der Sekundarstufen I und II

  • Berufslernende

  • Studierende

  • Erwerbstätige

  • Sprachen: Deutsch und Französisch

Die Studie wurde von einer Gruppe aus Expert:innen verschiedener Institutionen begleitet und entstand in enger Abstimmung mit dem MINT-Stimmungsbarometer 2025 der ETH Zürich.

Vernissage

Die Studie wird an der Vernissage vom 24. Juni 2026 im Stellwerk in Bern vorgestellt.

  • Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW

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    An seiner Sitzung vom 18. Juni hat der Senat der SAMW Prof. Paul Hoff zum neuen Vizepräsidenten sowie Prof. Samia Hurst zum neuen Vorstandsmitglied gewählt. Wir heissen beide in ihren neuen Funktionen herzlich willkommen und freuen uns darauf, von ihrer Erfahrung und ihren Impulsen zu profitieren.

  • Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

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  • Junge Akademie Schweiz JAS

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    Die Junge Akademie Schweiz hat sechs neue Mitglieder aus verschiedenen Fachbereichen aufgenommen. Bei einer Feier am 12. Juni 2026 in Bern wurden sie offiziell begrüsst. Kaum dabei, brachten sie sich engagiert in eine grosse Debatte über künstliche Intelligenz (KI) in der Forschung ein. Eine zentrale Erkenntnis: KI kann wissenschaftliches Denken nicht ersetzen.

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Susanne Metzger

Professorin für Naturwissenschaftsdidaktik, PH FHNW

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Edith Schnapper

Leiterin Nachwuchsförderung SATW

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