Filmwissenschaft

Jacques Aumont



Ist das Kino eine «Maschine zum Speichern» von grossen Erzählungen? Im kollektiven Geist wird es zumindest so verstanden. Das Kino ist jedoch nach Aumont eher eine «Maschine des Vergessens». Im Film lassen sich Realitäten mit Kraft der entstehenden Bilder nie lückenlos wiedergeben. Mit dieser Umgestaltung der Realität wird das kollektive Gedächtnis angeregt und zugleich fasziniert. «Es ist vielleicht kein Zufall, dass so viele Filme das Szenario der Amnesie aufgegriffen und variiert haben», schreibt Aumont in einem Essay. «Weil es ein Instrument des Vergessens ist, kann es am Ende wirklich seine Rolle als Erinnerung an die Dinge der Welt und an vergangene Ereignisse spielen – ganz einfach, weil die Erinnerung kein Schatz ist, der endlos angesammelt wird, sondern ein endloser Prozess.»

Jacques Aumont (1942) kennt die «Maschine Kino» lückenlos. Der Franzose begann als Ingenieur am O.R.T.F. (Office de Radiodiffusion-Télévision Française) und schrieb gleichzeitig Kritiken in den Cahiers du cinéma. An der neu geschaffenen Fakultät für Filmwissenschaften der Universität Paris-3 Sorbonne Nouvelle wurde er in den 1980er-Jahren Dozent und Professor bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009. Die Liste seiner Gastprofessuren ist lang: Berkeley, Iowa City, Madison, Montreal… Aumont war etwa auch Fellow des International Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie (IKKM) in Weimar. Der «Kino-Wissenschafter» ist auch eine wichtige Stimme in diversen Jurys von Filmfestivals. Zuletzt lehrte Aumont an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris zehn Jahre lang bis 2017.

 

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